Streuobstwiese Teil 1 - Planung

2024-05-03
-

Zu fällen einen schönen Baum, braucht's eine halbe Stunde kaum.
Zu wachsen, bis man ihn bewundert, braucht er, bedenk' es, ein Jahrhundert
Eugen Roth

Bäume sind etwas wunderbares, vor allem wenn sie auch noch Früchte tragen! Es war schon immer unser Plan, eine Streuobstwiese mit verschiedenen Obstsorten anzulegen. Da Bäume bekanntlich einige Zeit zum Wachsen brauchen, haben wir uns gedacht, wir fangen so früh wie möglich damit an.

Einfach drauf los pflanzen konnten wir natürlich nicht. Wir wollen ja, dass die Bäume gut gedeihen und früher oder später auch Ertrag liefern. Dafür ist es wichtig, dass sie für die gegebenen Bedingungen gut geeignet sind und jeder Standort den passenden Baum bekommt.
Die wichtigsten Einflussfaktoren sind hier: Boden und Klima.

Klima:

Das "Großklima" können wir persönlich auf die Schnelle kaum beeinflussen, es ändert sich eher über längere Zeiträume hinweg. Durch den anthropogen verursachten Klimawandel geht es derzeit etwas schneller.

Wir befinden uns hier auf genau 600m Seehöhe im Waldviertel (Niederösterreich), wo es, wie man sagt, etwas rauer ist (laut dieser Grafik entsprechen 600m im Waldviertel etwa 700m im Rest Österreichs). Deshalb gibt es auch ein erhöhtes Risiko von Spätfrösten. Die Jahresdurchschnittstemperaturder der letzten 12 Jahre liegt bei 8,4°C, der durchschnittliche Jahresniederschlag bei 713mm.

Wir liegen also nicht in einem super begünstigten Weinbauklima, haben aber auch nicht komplett unmögliche Bedingungen für Obstbäume. Mit Trockenheit sollten wir keine all zu großen Probleme haben. Der Spätfrost wird hier vermutlich eine der größten Herausforderungen sein. Gerade durch den Klimawandel kann dies sogar noch verstärkt werden, da die Bäume in einem zu warmen Frühling früher austreiben und dadurch bereits früher im Jahr anfällig für Frostschäden werden.

Wie können wir auf diese Erkenntnisse reagieren?
Wir können einerseits das Mikroklima beeinflussen und andererseits durch die richtigen Obstarten und im nächsten Schritt Obstsorten passende Bäume auswählen. Plätze an der Hausmauer werden wir für empfindlichere Arten reservieren. Freistehend sollten es auf jeden Fall robustere Sorten sein.

  • Apfel: sollte für dieses Klima gut geeignet sein, je nach Sorte teilweise sehr robust
  • Zwetschke: ähnlich gut geeignet wie Apfel, verträgt es sogar etwas kühler
  • Kirsche: grundsätzlich auch für kühlere Lagen geeignet, durch die frühe Blüte allerdings stärker spätfrostgefährdet
  • Birne: etwas wärmeliebender
  • Marille / Nektarine: blüht sehr früh, empfindlich gegeünber Frost, Regen und Wind
  • Walnuss: spätfrostgefährdet, eher für Weinbauklima
  • Edelkastanie: Jahresniederschlagsmenge sollte mehr als 600mm betragen, Jahresdurchschnittstemperaturder 8-15°C

Boden:

Je nach Gebiet gibt es vorherrschende Bodenarten (Korngrößenverteilung: Sand, Schluff, Ton) und Bodentypen (Bodenprofil, z.B. Braunerde, Gley, Rendzina..). Diese hängen stark vom Ausgangsgestein und dessen Verwitterung ab.

Um herauszufinden, welchen Boden man hat, kann man auf einer Bodenkarte nachschauen (für Österreich z.B. https://bodenkarte.at/). Auch durch den Bewuchs an der Oberfläche kann man Schlüsse auf die Bodenverhältnissen ziehen (Zeigerpflanzen).

Wir wollten es ganz genau wissen und haben deshalb bereits im Herbst an mehreren Stellen Löcher gegraben, um uns den Bodenaufbau anzuschauen. Genaueres dazu gibt es in einem zukünftigen Beitrag. Kurz vorweg: Wir befinden uns auf einer Übergangszone zwischen Braunerde und Gley. Die genauen Verhältnisse ändern sich innerhalb weniger Meter teilweise sehr stark.

Der Typ des Bodens hat natürlich Einfluss auf die Pflanzen, die darauf wachsen. Das betrifft z.B. die Nährstoffverfügbarkeit, den pH Wert oder auch die Feuchtigkeit.
Jede Baumart/Sorte hat wiederum bestimmte Ansprüche an den Boden. So mag es die Kirsche eher trocken, die Zwetschke verträgt etwas mehr Feuchtigkeit (Abb. 1). Edelkastanien wachsen nur auf kalkfreien Böden, wohingegen die meisten Steinobstsorten kalkhaltige Böden bevorzugen.

... Abb. 1: verschiedene Baumarten haben verschiedene Vorlieben was die Feuchtigkeit angeht.



Zusammengefasst viel unsere Wahl auf:

  • Birne und Edelkastanie am Acker, da sie Tiefwurzler sind
  • Kirsche im oberen Bereich unserer südlichen Wiese, da sie es eher trocken mag
  • Zwetschken im unteren Bereich unserer südlichen Wiese, da sie etwas mehr Feuchtigkeit vertragen
  • Apfel könnte überall ganz gut passen, der kommt dann auf die noch freien Plätze

Ob das dann tatsächlich so gut funktioniert, wie wir uns das vorstellen wird sich zeigen.
Bezüglich der Standortansprüche können die Sortenunterschiede am Ende teilweise sogar größer sein als die Unterschiede zwischen den Arten. Mit den genauen Sorten werden wir uns in zukünftigen Posts, wenn es dann tatsächlich ums Pflanzen geht, beschäftigen.

Bis bald
Markus und Eva